Wie Schafe im Vorrübergehen die Natur erhalten

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Schaf guckt in die Kamera, an ihm hängen allerhand Pflanzen

Ich packe mein Schaf-Taxi und nehme mit: Ausgerupfte Pflanzen oder allerhand Pflanzen-Samen, verschiedene Käferchen und anderes Krabbelgetier, kleine Schnecken, mal eine Heuschrecke oder sogar eine Eidechse. Diese naturnahe Umdichtung des beliebten Koffer-Gedächtnisspiels hat einen wahren Kern: An einem Schaf auf der Weide hängt viel mehr, als du auf den ersten Blick vermuten magst. Vielleicht hast du schon mal ein echtes Schaf aus der Nähe gesehen? Schafe haben ein ziemlich dickes, verfilztes Fell, in dem sich sehr gut kleine Dinge und Tierchen verfangen können. Ihre Füße, die man Klauen nennt, sind V-förmig. Was gabelförmig aussieht, tut dann auch genau das: aufgabeln. Im Zwischenraum der V-Klaue verfängt sich ganz gut und gerne alles, in das ein Schaf so reintreten kann.

Und wo soll die Reise hingehen?

Nun weißt du, was ein Schaf so auf sich hat, doch was hat es mit dem „Schaf-Taxi“ auf sich? Was passiert mit dem aufgegabelten Grünen und Krabbeligen? Es geht mit dem Schaf auf Wanderschaft. Und es macht dabei mehr Strecke, als zum Beispiel eine Eidechse oder Samen selbst bewältigen könnten. Besonders an Hängen, Hügeln oder anderen eher schwer erreichbaren Landstrichen. Wortwörtlich im Vorrübergehen wird so die Vielfalt der Natur gesichert. Manche Tiere und Pflanzen kommen nur so überhaupt an Stellen mit Wasser oder an schattigere Standplätze, ohne die sie nicht überlebt hätten.

Vom MÄHen und Sähen

„Bedrohte Arten können ganz natürlich wieder verbreitet werden,“ hat Staatssekretär Oliver Conz aus unserem Umweltministerium die Weise der Schaf-Reise erklärt. Außerdem sind die Schafe natürlich dazu da, auf den Flächen zu weiden. Weil das bedeutet, dass die Tiere ganz viel Gras fressen, sagt man auch: sie grasen. Und auch das tut der Landschaft gut. Ansonsten würde sie früher oder später komplett verbuschen: alles dicht und nichts mehr mit Vielfalt.

Wo so eine Schafherde entlang getrampelt ist, wächst zwar stellenweise kein Gras mehr. In den vielen kleinen Trittlöchern siedelt sich aber neues Grünzeug an – die mitgetragenen Pflanzensamen kommen ins Spiel. Wo sie mit ihren Schäferinnen oder Schäfern entlanggewandert sind, wurde so manch Grünes von den Schafen gefressen, anderes verschmäht (mit MÄH), einiges platt gemacht und genauso viel neu „gepflanzt“. Am Ende ist der Lebensraum noch abwechslungsreicher als vorher.

Schaf sei Dank

Oliver Conz ist selbst in die nordhessische Region Werra-Meißner gefahren, wo seit Jahrhunderten Schafe geweidet haben. Dort ist dadurch ein besonders schönes Landschaftsbild entstanden: „Wacholderheiden, Streuobstwiesen und zahlreiche Insekten“, schwärmt er.

Es gibt dort ein Projekt, das sich dafür einsetzt, dass das so bleibt: Die Weidenflächen sollen nicht nur alle bestehen bleiben, sondern auch weiterentwickelt werden. „Schaf schafft Landschaft“, heißt das Projekt. Es ist so toll und wichtig, dass der Staatssekretär es bei seinem Besuch ausgezeichnet und ihm Unterstützung zugesagt hat.

Das Fremdwort, das die Vielfalt der Natur benennt, heißt „Biodiversität“. Unser Umweltministerium hat vor kurzem seinen „Biodiversitätsbericht 2019“ vorgestellt. In dem Bericht wird immer aufgeschrieben, was unsere Regierung im vergangenen Jahr alles unternommen hat, um den Reichtum an Tier- und Pflanzenarten in Hessen zu bewahren. Auch hier ist der Staatssekretär Conz aus unserem Umweltministerium mit dabei. „2019 war ein Jahr vieler Erfolge im hessischen Naturschutz,“ hat er gesagt und sich bei allen bedankt, „die sich tatkräftig engagieren“. Bestimmt hat er damit auch die Landschafts-Schaffer Schafe gemeint.

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