Was brauchen Kinder für ein gutes Leben?

Solche und ähnliche Fragen hat Hessens Beauftragte für Kinder-und Jugendrechte, Frau Prof. Dr. Katharina Gerarts, in Workshops mit Kindern und Jugendlichen bearbeitet. Die Ergebnisse hat sie zusammen mit Expertinnen und Experten zu einer „Kinder- und Jugendrechte Charta“ für Hessen ausformuliert. Nach einem Jahr voller Engagement wurde diese Charta an unsere Regierung übergeben. Das ist bisher einzigartig in Deutschland!

stk_4323.jpg

Bei der Übergabe der Charta an die Landesregierung.
Junge Hessinnen und Frau Gerarts bei der Übergabe der Charta an Ministerpräsident Bouffier und Gesundheitsminister Grüttner.

Warum reden wir über Kinder- und Jugendrechte in Hessen?

In Hessen leben rund eine Million junger Menschen, die unter 18 Jahre alt sind. Seit 1989 unterliegen sie alle dem Schutz der UN-Kinderrechtskonvention. Gleichheit, Schutz, Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sind ihre übergeordneten Ziele.  (Alle Artikel der UN-Kinderrechts-Konvention findest du auf der Seite „Kindersache“ einzeln und verständlich erklärt.) Doch weder herrscht allgemein ein großes Bewusstsein dafür, was diese Rechte eigentlich abdecken, noch sind sie in der Verfassung des Bundeslandes verankert. Das soll in Hessen anders werden. Und genau dafür steht die neue Charta.

Was brauchen Kinder und Jugendliche?

Es ist so, dass Kinder und Jugendliche selten Gelegenheit bekommen mitzureden. Meistens wird für sie entschieden. Es gibt kaum ein Bewusstsein dafür, wann Kinderrechte übergangen werden. Kinderrechtsverletzungen können so ganz alltäglich werden. Genau da hat Frau Gerarts angesetzt. Die Beauftragte für Kinder-und Jugendrechte hat direkt mit Kindern und Jugendlichen gesprochen. Nur sie selbst sind die Expertinnen und Experten für ihre Lebenswelten, lautete ihre Überzeugung. 

„Überall in Deutschland sollten Informationen über die Kinderrechte verteilt werden, damit sie jeder kennt“, findet ein 14-jähriger Junge aus Hessen. Er war einer von über 150 Teilnehmenden aus Frau Gerarts Workshops. In drei Altersgruppen unterteilt hat sie viele intensive Gruppendiskussionen und Spiele durchgeführt. „Was brauchen Kinder für ein gutes Leben?“ war eine der großen Fragen. Die Antworten haben den sogenannten „Ist-Zustand“ aufgezeigt. Sie haben aber auch zutage gefördert, was noch fehlt oder besser werden sollte. All das steht nun, ausformuliert von erwachsenen Expertinnen und Experten, in der 67-Seiten starken Charta.

Wie können junge Hessinnen und Hessen mitbestimmen?

Frau Gerarts ist mit altersgerechten Formaten auf ihre Zielgruppe zugegangen. Kindergartenkinder wurden dabei genauso berücksichtigt wie 19-Jährige und alle dazwischen. (Wie die Workshops abliefen, kannst du auch in einem Video nachgucken.) Wie man sieht: Mit der richtigen Ansprache können bemerkenswerte Positionen hausgearbeitet werden.
„Selbstbewusst und selbstwirksam“, hat Frau Gerarts die jungen Hessinnen und Hessen dabei erlebt und möchte sie auch zukünftig alle hessenweit so wissen. Die erstellte Charta schlägt der Landesregierung vor, die Meinung von den Jüngsten aus Hessen einzuholen und ernst zu nehmen. Einen Kinderbeirat oder andere regelmäßige Austausch-Termine könnte es zum Beispiel geben.

Sozialminister Grüttner hat es schon einmal besonders gut gefallen, „dass so viele Kinder und Jugendliche in den Prozess involviert waren und direkt nach ihren Ansichten gefragt wurden.“

Wohin kommt die Charta nun?

Im Juni hat eine Gruppe junger Hessinnen gemeinsam mit Frau Gerarts die Charta bei der Landesregierung abgegeben. Diese soll die Charta als eine Art Leitfaden verstehen, ihren Inhalt in der hessischen Verfassung umzusetzen. Zur Landtagswahl im Herbst können alle Bürgerinnen und Bürger in Hessen dann über diese Änderungen abstimmen.

Den Fokus der Charta fasst das Sozialministerium so zusammen: „Familiensinn stärken, Kinderarmut bekämpfen, Chancengerechtigkeit fördern, Inklusion verwirklichen, vor Gewalt schützen, Gesundheit fördern, Medienkompetenz vermitteln und das Recht auf Kindheit gewährleisten.“ Wenn dafür nicht mit einem klaren Ja zu stimmen ist?
Alle Kinder und Jugendliche haben das Recht, in Hessen mitzuwirken. Eine junge Teilnehmerin der Workshops zur Charta hat das wohl so ausgedrückt: „Dranbleiben und sich durchsetzen!“.