„Schreiben mit Kopf, Herz und Hand“

Wettbewerb zum Tag der Handschrift: Am 14. September prämiert die Stiftung Handschrift die schönsten handgeschriebenen Liebesbriefe von Schülerinnen und Schülern aus Hessen.

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Liebesbriefe und das Buch "Liebesbekenntnisse von Jugendlichen aus Hessen"

Hast du schon einmal einen handgeschriebenen Brief bekommen? Vielleicht sogar einen Liebesbrief? Erinnerst du dich an das Gefühl, als du den Brief gefunden oder überreicht bekommen hast? Vielleicht warst du neugierig, wer dir wohl schreibt oder was im Brief stehen könnte. Oder du hast dich gefreut, eine Postkarte von einem guten Freund oder einem Familienmitglied im Briefkasten zu finden. Dann geht es dir wie vielen anderen Menschen auf der Welt, denn handgeschriebene Briefe sind etwas ganz Besonderes.

Ein Brief braucht kein Papier

Briefe gibt es schon seit einigen tausend Jahren. Die Babylonier ritzten ihre Nachrichten in Tontafeln, im alten Ägypten schrieben die Menschen auf Papyrus, und im alten Griechenland und in Rom wurden mit Wachs beschichtete Holztafeln verwendet. Heute werden die meisten Briefe auf Papier geschrieben. Doch der handgeschriebene Brief wird immer seltener. Durch Computer, Tablet und Smartphone sind die Menschen Profis im Tippen, Wischen und Liken geworden. Das Schreiben mit der Hand verlernen viele dabei. Dabei ist das Schreiben eines Briefes eine Kunst, die jeder erlernen kann.

Zeit und Raum für deine Gedanken

Probiere es einfach mal aus: Such dir ein schönes Papier, einen guten Stift und schon kannst du loslegen. Dabei wirst du schnell merken: Ein Brief braucht mehr Zeit als eine Nachricht in WhatsApp. Du musst dir überlegen, was du ausdrücken möchtest und wie du deine Gedanken zu Papier bringst. Wie fängst du den Brief an? Was möchtest du erzählen und in welcher Reihenfolge? Was schreibst du zum Abschluss? Auch die Handschrift ist bei einem Brief wichtig: Hast du den Brief in Eile oder Aufregung geschrieben? Oder hast du dir die Zeit genommen, jedes Wort sorgfältig und ordentlich zu schreiben? Ein durchgestrichenes Wort, ein Tintenklecks oder gar eine Träne: Ein Brief enthält viel mehr als nur Worte.

Gehirntraining mit Stift

Die Stiftung Handschrift in Frankfurt – der Name verrät es schon – setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass das Schreiben mit der Hand in unserer digitalen Welt nicht verloren geht. Für sie zählt das Schreiben zu einem der wichtigsten Kulturgüter der Menschheit. Wissenschaftler haben zum Beispiel herausgefunden, dass beim Schreiben mit der Hand andere Bereiche des Gehirns aktiv sind, als beim Tippen an Tablet oder Smartphone. Das Schreiben mit der Hand trainiert also das Gehirn. Auch Kreativität und die Fähigkeit, seine Gedanken zu sortieren und sinnvoll zu strukturieren, werden beim Schreiben mit Stift und Papier gefördert. „Jugendliche müssen zuerst mit Kopf, Herz und Hand schreiben lernen, um dann mit Laptop und Tastatur arbeiten zu können. Nicht umgekehrt!“, meint daher auch Professor Kroehl, einer der Mitgründer der Stiftung.

Liebesbrief an einen Käsekuchen

Mit Schreibkursen, Workshops und Wettbewerben für Schülerinnen und Schüler zeigt die Stiftung, dass das Schreiben mit der Hand richtig Spaß machen kann. Zum diesjährigen Tag der Handschrift hat sie einen ganz besonderen Wettbewerb veranstaltet: Sie lud Schülerinnen und Schüler aus ganz Hessen ein, handgeschriebene Briefe zum Thema „Schreibe einen Liebesbrief“ einzusenden. Fast 7.500 Briefe haben die Schülerinnen und Schüler in Hessen geschrieben, und darin ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Liebe mit Füller zu Papier gebracht. Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt, und so findet sich unter den vielen Einsendungen auch eine Liebeserklärung an den Käsekuchen.

Aus der Vielzahl an Briefen hat die Stiftung Handschrift die 50 schönsten, interessantesten, lustigsten, emotionalsten und kreativsten Beiträge ausgewählt. Die Autorinnen und Autoren sind zur Preisverleihung am 14. September, dem Tag der Handschrift, nach Wiesbaden eingeladen. Neugierig geworden? Die 50 ausgewählten Briefe erscheinen auch in Buchform, und können so bald zuhause oder im Unterricht gelesen werden. Oder du wirst einfach selbst aktiv, und schreibst deinem Lieblingsmenschen einen eigenen Brief. Wer weiß, vielleicht schreibt er oder sie bald zurück?