Nachtschwärmerinnen in Wohnungsnot

Fledermäuse – warum sie für uns Menschen so nützlich und doch gefährdet sind.

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Fledermaus frisst Früchte aus einer Schüssel

Wusstest du, dass Fledermäuse die einzigen Säugetiere sind, die fliegen können? Ihre Flügel bestehen aus Haut und haben, anders als bei Vögeln, keine Federn. Allerdings musst du dich zu später Stunde nach draußen wagen, um die Fledermäuse in der Luft zu entdecken. Denn sie sind nur in der Nacht aktiv und hängen am Tag im wahrsten Sinne des Wortes rum – mit dem Kopf nach unten. Zwar gibt es auf der ganzen Welt etwa 1.400 verschiedene Fledermausarten, davon sind aber nur 25 in Deutschland zu finden. Also gar nicht mal so viele, wenn man die Gesamtzahl betrachtet.

Fledermäuse sind echte Geschöpfe der Nacht. Sie fliegen in der Dunkelheit und sehen sozusagen mit den Ohren. Weil sie mit ihren spitzen Zähnchen ein wenig an Vampire erinnern, jagen sie vielen Menschen eine Gänsehaut über den Rücken. Dabei sind sie wirklich harmlos. Und sie haben auch ganz erstaunliche Fähigkeiten. Leider leiden die Nachtschwärmerinnen unter Wohnungsnot. Doch der Reihe nach: Alle Fledermaus-Fakten erklärt. 

Was hat die Fledermaus mit Dracula zu tun?

Viele Menschen gruseln sich vor Fledermäusen. Nicht nur, weil die Tiere am liebsten nachts unterwegs sind. Viele glauben auch, dass sich Fledermäuse wie die Fantasiegestalt Graf Dracula am liebsten von Blut ernähren. In Wahrheit ernähren sich die Nachtgeschöpfe aber hauptsächlich von Früchten, Insekten und Blütenpollen.

Es gibt allerdings wirklich einige wenige Vampirfledermausarten, die Blut saugen. Dabei ritzen sie die Haut von anderen Säugetieren an und lecken ein wenig Blut aus der Wunde. Die Tiere merken zumeist nicht einmal etwas davon. Wir Menschen haben vor den Vampirfledermäusen aber nichts zu befürchten – und keine Sorge, sie leben ganz weit weg, in Südamerika. Die Geschichte, dass alle Fledermäuse vampirartige Blutsauger sind, ist also nicht ganz richtig.

Die Superkraft der Fledermäuse

Bei ihren nächtlichen Streifzügen verlassen sich Fledermäuse auf ihr ausgezeichnetes Gehör. Während sie fliegen, senden sie Laute aus, die als Schallwellen weitergetragen werden. Schallwellen kannst du dir als Schwingungen der Luft vorstellen, die von Luftteilchen zu Luftteilchen übertragen werden. Trifft ein solcher Schall auf die Beute der Fledermäuse, wird er in ihr Ohr zurückgeworfen. Wie ein Echo also. Daraus ergibt sich für Fledermäuse ein „Bild“ von ihrer Umgebung und von der Beute, die sie vor sich haben.

Darum sagt man auch, dass sie mit ihren Ohren sehen können. Sogar die kleinsten Insekten können Fledermäuse auf diese Weise ausfindig machen – sie besitzen also eine echte Superkraft. Für uns Menschen sind die Laute der Fledermäuse übrigens so hoch, dass wir sie gar nicht hören können.

Nützlich aber gefährdet

Fledermäuse besitzen nicht nur faszinierende Fähigkeiten, sie sind für uns Menschen auch wirklich nützlich. Ohne sie würde es viel mehr Stechmücken, Insekten und schädliche Käfer geben, die Pflanzen und Bäume angreifen können. Leider sind aber viele Fledermausarten vom Aussterben bedroht. Daran sind wir Menschen nicht ganz unschuldig. Um schädliche Insekten zu töten, setzen wir z. B. beim Ackerbau sogenannte Insektenschutzmittel ein. Diese Mittel sollen die Felder und Pflanzen schützen, die Krabbeltiere aber vernichten. Aus diesem Grund finden Fledermäuse immer weniger Beute.

Noch dazu holzen wir Wälder ab, die zum natürlichen Lebensraum der Fledermäuse gehören. Damit verdrängen wir sie also aus ihrem Zuhause. Und das Problem der Fledermäuse ist: Anders als zum Beispiel Vögel sind sie nicht in der Lage, sich selbst Unterschlüpfe zu bauen. Darum sind Ritze in Baumstämmen bei ihnen als Behausung so beliebt. Hier können sie einfach einziehen, ohne etwas dafür tun zu müssen. Sind die Bäume aber nicht mehr vorhanden, müssen andere Unterschlüpfe für Fledermäuse her.

Fledermäusen helfen: NABU-Aktion „Fledermausfreundliches Haus“

Auch für die Fledermäuse in Hessen gibt es immer weniger Unterschlüpfe. Darum hat der Naturschutzbund Hessen (NABU) die Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ ins Leben gerufen. Ein wichtiges Ziel der Aktion ist es, neue Behausungen für Fledermäuse an unsereren Wohnhäusern anzubringen. Wenn du und deine Familie gerne Fledermäuse als Mitbewohnerinnen haben möchtet, gibt euch der Naturschutzbund Tipps dazu, was ihr bei den Unterschlüpfen für Fledermäuse beachten müsst. Zum Beispiel, wie groß das Fledermaus-Haus sein muss und auf welcher Seite des Hauses ihr es am besten anbringt.

Der NABU beantwortet aber auch alle Fragen zu bestehende Behausungen und wie man sie am besten schützen und pflegen kann. Weil Fledermäuse sowieso gerne in Ritzen von Dachböden und Häusern leben, also nahe bei uns Menschen, haben sie sich schon sehr an uns gewöhnt. Darum nehmen sie die Behausungen, die wir für sie an unseren Häusern bauen, auch sehr gut an. Wir können ihnen damit also wirklich helfen und ihnen ein geschütztes, sicheres Zuhause geben.

Tipps für ein fledermausfreundliches Haus

  • Fledermäuse haben es gern warm. Darum hängt den Fledermauskasten – so nennt man das Haus der Nachtschwärmer – am besten mit der Vorderseite zum Sonnenlicht auf, also gegen die Himmelsrichtung Süden oder Südwesten.
  • Damit die Fledermäuse ihr neues Zuhause gut anfliegen können, achtet darauf, dass sich vor der Öffnung keine Äste oder Blätter befinden.
  • Weil Fledermäuse am Tag schlafen, sollte der Ort für ihre Behausung ruhig sein, damit sie so wenig wie möglich gestört werden.
  • Hängt am besten gleich mehrere Fledermauskästen auf. So haben die Fledermäuse direkt eine größere Auswahl an Unterschlüpfen.
  • Das Fledermaushaus sollte bestenfalls mindestens drei Meter hoch angebracht werden. So ist es für sie sicherer, zum Beispiel vor Katzen oder anderen Tieren.
  • Damit die kleinen Fledermäuse in ihrem Häuschen keinen Zug bekommen, hängt es am besten an einem windstillen Ort auf.

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