Der Sommer fragt, das Freibad antwortet

Der Sommer und das Freibad. Bestimmt auch in deinem Kopf ein unzertrennliches Paar. Kaum vorstellbar, dass die beiden sich noch gar nicht so lange kennen. Wann das Freibad auftauchte, ob der Sommer schon früher baden ging und worauf die zwei in Hessen stolz sind all das erfährst du in unserem zwar ausgedachten, aber sehr informativen Interview!

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Becken des Brentanobads.

Sommer: Guten Tag, Freibad.

Freibad: Mit mir wird es immer ein guter Tag! (lacht) Guten Tag!

S: Freibad, mir und den meisten u-15 bist du gut bekannt.

F: Ja, meine Freibad-Familie ist ziemlich groß. In Hessen gibt es fast 900 von uns. Mancherorts werden wir aber auch „Sommerbad“ genannt.

S: Sommerbad! Da nehme ich dich beim Namen. (zwinkert) Man sagt, deine Familie kann auf eine lange Badekultur zurückschauen?

F: Ja, das ist richtig. Denken wir an Wiesbaden. Der hessischen Hauptstadt steckt das Baden ja bereits im Namen. Dort liegen heute noch drei Thermen aus der Römerzeit, die gehen bis ins 1. Jahrhundert zurück! Da reden wir aber von Heilbädern mit heißen Dämpfen.

S: Die Hitze bringe ich ja schon mit. Wann entdeckten die Menschen das Baden im kühlen Nass für sich?

F: Das ist gewiss so alt die Menschheit selbst. Aber Menschen und Gesellschaften und ihre Badegewohnheiten haben sich natürlich stets verändert und weiterentwickelt.

S: Baden die Menschen denn nicht seltener in der freien Natur, seit sie fließendes Wasser und eine Badewanne zuhause haben?

F: Überhaupt nicht! Gerade wenn du, Sommer, deine Finger im Spiel hast (Sommer kichert). Es gab aber im Mittelalter eine Zeit, da waren sogar Ärzte der Meinung, Baden sei schädlich. Man dachte, schlimme Krankheiten könnten sich im Wasser über die Haut übertragen. Erst sehr viel später fand „der Adel“ baden dann wieder schick.

S: Und dann ging’s auch allgemein nach draußen zum gemeinsamen Baden?

F: Ja, besonders in Seebädern, also am Meer. Was aber drin bleiben musste und verhüllt wurde, war die Nacktheit. Im 18. und 19. Jahrhundert trugen die Menschen regelrechte Schwimmkostüme, um „ihre Blöße“ voreinander zu bedecken. Beine, Arme – alles komplett bedeckt. Für die Frauen waren zusätzlich Röcke drangenäht und diese mit kleinen Gewichten beschwert, damit sie im Wasser nicht nach oben trieben. Eine wahrlich schwere und schwierige Zeit! Außerdem suchten die Badenden Deckung in Strandkörben und noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mit blicksicheren Badekarren ins Wasser gefahren.

Frau verlässt eine Badekarre.
Ein Bild aus dem Jahr 1893: EIne Frau steigt aus einer Badekarre.

S: Das waren also die Seebäder, aber wann kommen deine Vorfahren ins Spiel?

F: Meine Freibad-Familie stammt von den sogenannten Volksbädern und Flussbädern ab. Volksbäder kamen Ende des 19. Jahrhunderts auf, zum Beispiel in Darmstadt. In so einem Volksbad standen dann mehrere Dutzend Badewannen und Waschbehältnisse. Es ging darum, sich und seine Kleidung zu reinigen. Richtig populär wurden dann aber auch die Flussbadeanstalten in fließendem Gewässer. Baden und sich bewegen galt endlich wieder als gesund! Man baute Holzstege und Umkleidekabinen und ließ eine Plattform ins Wasser ein, die man anschwimmen konnte.

S: Und von da ins Wasser springen …

F: Unbedingt! Leider trat dann ein Wandel in der Industrie auf. Es wurde mit neuartiger Chemie gearbeitet und viel davon in Gewässer abgeleitet. Und auch allgemein wurden seitdem viele Flüsse besonders in Stadtgebieten leider stark verschmutzt. Ganz klar, dass in so einer Brühe niemand mehr baden mochte. Wir Freibäder bieten seit dieser Zeit eine Alternative.

S: Gibt es etwas, worauf du stolz bist?

F: Oh ja, in Hessen halte ich einen Rekord. Das größte Beckenbad Deutschlands steht in Frankfurt-Rödelheim und heißt Brentanobad!

S: Beachtlich! Dann sind wir am Ende unserer Sommer-Interviews angekommen. Ich muss los und wünsche allen eine erholsame Abkühlung in Hessens Schwimmbädern!

F: Danke für deine Zeit, Sommer, obwohl du dieser Tage wirklich hochgradig beschäftigt bist! Wir sehen uns!

Das Brentanobad in einer Panorama Aufnahme.