Antisemi-Was? Der Workshop zum Thema Judenfeindlichkeit

Antisemitismus bedeutet – grob gesagt – Judenfeindlichkeit. Aber gibt es das heute überhaupt noch, und was kann man dagegen machen? Das Hessische Kultusministerium und die Bildungsstätte Anne Frank veranstalten Workshops zu dem Thema an euren Schulen.

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Zwei junge Menschen in der Ausstellung der Bildungsstätte Anne Frank

„Antisemitismus ist ein Problem, dem wir in Hessen entschieden entgegentreten“, betonte unser Kultusminister Alexander Lorz, als er die gemeinsamen Workshops mit der Bildungsstätte Anne Frank bekannt gab. Damit machte er deutlich, dass in Hessen kein Platz und keine Toleranz für Judenfeindlichkeit sind.

Ganz wichtig sei es, Schülerinnen und Schülern zu erklären, was genau Antisemitismus bedeutet, warum er so schlimm sei und wie wir alle reagieren können, wenn wir Feindlichkeit gegen Juden beobachten.

Aus diesem Grund haben sich das Hessische Kultusministerium und die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt zusammengetan. Die Bildungsstätte ist eine Organisation, die auf Antisemitismus aufmerksam machen und an die deutsche Vergangenheit erinnern möchte. Dazu hat sie den Namen des berühmten jüdischen Mädchens Anne Frank angenommen, die zusammen mit ihrer Familie von den Nationalsozialisten (Nazis) ermordet wurde.
Die jungen Mitarbeitenden von der Bildungsstätte kommen auf Wunsch zu dir an die Schule und gestalten einen Vor- oder Nachmittag zum Thema Antisemitismus. Dabei lernst du, in welchen Äußerungen Antisemitismus versteckt ist, was das mit dir selbst zu tun hat und was zu tun ist, wenn dir Judenfeindlichkeit auffällt. Teilnehmen können Jugendliche ab 13 Jahren.

Becker und Lorz stehen im Grünen und lachen in die Kamera
„Mit Antisemitismus an unseren Schulen und in unserer Gesellschaft werden wir uns niemals abfinden!“, sagen Antisemitismusbeauftragter Becker und Kultusminister Lorz.

Du willst mitmachen? Dann wende dich an deine Lehrerinnen oder Lehrer und schlage ihnen vor, deine Klasse für das Programm anzumelden

Und wenn dich das Thema interessiert und du gerne mehr darüber erfahren möchtest, kannst du mit deiner Familie auch die Bildungsstätte Anne Frank von Montag bis Freitag besuchen und die Ausstellung dort anschauen. 

Hintergrund 

Was bedeutet Antisemitismus?

Vielleicht hast du auch schon einmal gehört, dass Erwachsene das Wort „Antisemitismus“ benutzen. Ein ziemlich langes und schwieriges Wort.

Antisemitismus bedeutet Judenfeindlichkeit

Antisemitismus besteht aus zwei Wörtern, „Anti“ und „Semitismus“. Semitismus stammt von dem Begriff „Semit“, und damit sind Menschen gemeint, die laut der Bibel von Noahs Sohn Sem abstammen. Die Juden glauben, dass ihr Volk die Nachfahren von Noah (und eben Sem) sind. Damit gehören sie zu den sogenannten „semitischen Völkern“. Und „anti“ bedeutet so viel wie „gegen“ – somit kann Antisemitismus als „Gegen Semiten“ übersetzt werden. Theoretisch gehören auch andere Völker zu den Semiten, aber der Begriff wird fast immer nur benutzt, um Feindlichkeit gegen Juden zu beschreiben.

Antisemiten sind also Menschen, die Juden wegen ihres Glaubens, ihrer Lebensweise oder ihrer Identität ausgrenzen, beschimpfen, verfolgen oder sogar ermorden. 

Antisemitismus in der Geschichte

Antisemitismus gibt es schon ganz lange. Im Mittelalter glaubten die Menschen, Juden seien geldgierig und bösartig. Wenn es zu einer schlimmen Krankheitswelle kam oder das Kind von jemandem starb, gab man oft den Juden die Schuld. Dass das unsinnig und unmöglich ist, interessierte die Menschen nicht.

Zwischen 1933 und 1945 kam es dann zu der schlimmsten Art von Antisemitismus, und zwar in Deutschland während der Diktatur von Adolf Hitler und seinen Nazis Damals erklärten die Nationalsozialisten Juden zu einer „schädlichen Rasse“. Dann brachten sie sechs Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder auf grausame Weise um. Dieser Völkermord ist das schlimmste Verbrechen, seit es Menschen gibt. Es heißt Holocaust oder Shoah.

Und heute?

Aber wie sieht es heute aus? Immer öfter berichten die Medien von Übergriffen auf jüdische Menschen: Ein israelischer Mann wird in Berlin auf der Straße angegriffen; ein 14-jähriger jüdischer Junge wird von Mitschülern beschimpft, geschlagen und gewürgt.

Aber es muss gar nicht immer so gewalttätig sein; denn Antisemitismus äußert sich auch „harmloser“:
Vielleicht hörst du auch manchmal, wie jemand auf dem Schulhof die Phrase „Du Jude“ als Schimpfwort benutzt. Letztes Jahr gab es einen großen Wirbel, als die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang einen Echo erhielten, weil viele Menschen der Meinung sind, dass sie in ihren Liedern respektlos über die Opfer vom Holocaust rappen. Vielleicht bekommst du mit, wenn jemand Dinge sagt wie „Die Nazi-Zeit war ja eigentlich gar nicht so schlimm“, oder „Es sind gar nicht so viele Juden gestorben“, oder auch „Was Hitler gemacht hat war ja gar nicht so schlecht“. Auch das sind Beispiele für Antisemitismus. Oft sind sich Leute, die solche Sachen sagen, gar nicht bewusst, dass ihre Bemerkungen antisemitisch sind. Sie wiederholen nur, was sie von anderen hören. Aber damit bewirken sie, dass jüdische Menschen sich bedroht und verletzt und in Deutschland nicht mehr wohl fühlen.

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