Auf zum Südpol! Ein Hesse in der Antarktis.

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Antarktis

Wegen ihrer eisigen Kälte war die Antarktis lange Zeit ein unbekannter Ort, der von keinem Menschen je besucht worden war. Nur Pinguine konnten das raue Wetter mit Eis, Wind und Schnee ertragen. Erst spät machten sich die ersten Menschen auf, um den Mittelpunkt des Südpols - den südlichsten Ort der Erde - zu entdecken. Unter ihnen war auch der Hesse Ludwig Ott. Könnt Ihr euch vorstellen, was diesen Abenteurer dorthin verschlagen hat?

Die Erde ist eine Kugel

Zahlreiche Jahrhunderte dachten die Menschen in Europa, dass die Erde eine Scheibe ist. In ihrer Vorstellung fielen alle, die mit einem Schiff zum Rand der Erde fuhren, von der Scheibe in einen unendlichen Abgrund.
Später entdeckten die Menschen in Europa zwar, dass die Erde eine Kugel ist. Sie merkten folglich auch, dass es bis dahin zahlreiche Orte auf der Erde gab, die noch nie ein Europäer gesehen hatte. Solche Orte waren für sie „weiße Flecken“ auf den Landkarten, in denen fremde Menschen lebten. In Expeditionen fuhren europäische Seefahrer jetzt zum Beispiel nach Amerika, um den Kontinent und die Menschen zu erkunden.

Der lange Weg in die Antarktis

In der Antarktis lebten jedoch keine Menschen, da die Kälte die Landschaft unbewohnbar machte. Das war auch der Grund, warum Forschungsgruppen erst so spät versuchten, zum Mittelpunkt der Antarktis zu gelangen. Die Reise dorthin war schwer und voller Gefahren. Einige Menschen erfroren sogar unterwegs. Und doch kam es irgendwann zwischen den einzelnen europäischen Ländern zu einem richtigen Wettkampf. Denn jedes Land wollte das erste sein, dessen Forscher die Antarktis untersuchten oder sogar ihren Mittelpunkt erreichten. Deshalb schickten die Länder jeweils eigene Expeditionen zum Südpol, die schneller als die Expeditionen der anderen Länder sein sollten. Natürlich sollten die Forscher dabei auch wieder lebend von der Reise zurückkehren…

Die Gauß-Expedition

Auch Deutschland war an dem Wettkampf beteiligt und schickte Schiffe zum Rand der Antarktis, um dort Wissenschaftler abzusetzen. Das erste dieser Schiffe mit dem Namen „Gauß“ fuhr 1901 von Kiel aus los. Diese erste deutsche Antarktisexpedition wurde deshalb auch als „Gauß-Expedition“ bekannt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Expeditionen wollten die Matrosen und Forscher am Bord der „Gauß“ aber nicht den Mittelpunkt der Antarktis erreichen. Sie untersuchten vielmehr die Natur am Rande der Antarktis. Auch das war natürlich ein großes Abenteuer! Denn die Männer riskierten im Namen der Forschung ihr Leben und nahmen viele Strapazen in Kauf. Zu den Matrosen auf der „Gauß“ gehörte auch der II. Offizier Ludwig Ott aus Frankfurt-Höchst. Obwohl das Schiff für fast 14 Monate im Eis festsaß und erst im Februar 1903 wieder freikam, stieß die Expedition auf ihrer Reise in ganz neue Antarktisgebiete vor. Das neue Gebiet wurde Kaiser-Wilhelm-II.-Land getauft und das Schiff zum Namenspatron des dort entdeckten Vulkans Gaußberg. Ludwig Ott, der erste Hesse in der Antarktis, kehrte unversehrt wieder nach Deutschland zurück.